Demeter Koko

Linz 1891 - 1929

 

Der frühe Tod der Mutter verdüsterte Kindheit und Jugend in einer gutbürgerlichen Umgebung. Koko galt als „scheu“ und „verschlossen“ und entdeckte bereits damals seine Liebe zur Natur.

Dieses stark emotional beeinflusste Erleben seiner unmittelbaren Umgebung bestimmte später auch die Motivwahl seiner Bilder.

Bereits mit dem Ziel der Aufnahme in die Münchner Akademie besuchte Koko in den Jahren 1908 bis 1910 die vom Stimmungsimpressionismus geprägte private Malschule Bertha von Tarnoczys.

Kokos hohe Einschätzung des persönlichen Naturerlebnisses und seine fast meditative Vertiefung fanden hier geistige Nahrung und Bestätigung: „Jeder Baum, jede Blume erschien mir als ein echtes Lebewesen, mit dem ich fühlte. Die Wunder des Werdens und Wachsens der Natur taten sich zum ersten mal vor meinen staunenden Augen auf und ich ward davon bis ins Innerste ergriffen. Stundenlang konnte ich am Rand eines Waldes oder am Strand der Donau liegen um zuzuhören dem eintönigen und doch so melodischem Rauschen der Bäume, wie dem drängenden Wasser des heimatlichen Stroms.“

1010 besuchte er für einige Monate die Privatschule des Malers Heinrich Knirr. Daraufhin wurde er bis 1914 Student an der Münchner Akademie bei Heinrich Zügel, der einen bleibenden Einfluss auf Ihn ausübte.

Koko schloss sich der 1913 gegründeten, damals avantgardistischen Künstlervereinigung MAERZ an.

Die Zeit des 1. Weltkriegs war für Koko nicht nur von einer schweren psychischen Krise geprägt, ausgelöst durch die Kriegserfahrung, sondern er litt seit damals an einer schweren Lungenerkrankung, die schließlich auch seinen frühen Tod verursachte.

Seine Position als Briefzensor in Bozen bedrückte den sensiblen Künstler besonders: „Die Aufschreie vieler hunderttausend leidender Menschenherzen, die in Briefen von der Front an die Heimat Befreiung suchten, machten Station an meinem Herzen und von der Qual der gequälten wurde mein Denken verdüstert. Nach monatelanger seelischer Bedrückung ……brach mein Körper zusammen.“

Eine Reise nach Ungarn nach dem Krieg scheint auf ihn wie eine Erlösung aus den düsteren Kriegsjahren gewirkt zu haben. Das Licht des Südens, die Weite und Helligkeit der ungarischen Tiefebene hinterließen einen bleibenden Eindruck und hunderte Öl - und Bleistiftskizzen, die er in den kommenden Jahren zu Gemälden verarbeitete.

Ähnlich fatale Folgen hatte die Erfahrung des Krieges auch für seinen Künstlerkollegen und Mitbegründer der Künstlervereinigung MAERZ Klemens Brosch, dessen selbstzerstörerische Tendenz damals seinen Ausgang nahm. Klemens Brosch hielt jedoch die Angstvisionen aus dem Kriegsalltag in bedrückenden hyperrealistischen Federzeichnungen fest, während Koko die Neigung besaß, die unerfreulichen Aspekte seines Lebens aus seiner Bilderwelt auszublenden. Eine künstlerische Haltung, die er mit vielen Impressionisten teilte.

Die exotische südländische Lebensweise von wandernden Zigeunerfamilien im Einklang mit der phantastischen Natur der Ungarischen Tiefebene wurde als Motiv seiner Gemälde zum Sinnbild grenzenloser Freiheit und Naturverbundenheit. Als Impressionist faszinierten ihn die farbigen Lichtreflexe, welche sich in der unendlichen Weite der Landschaft zu blauen Zonen des Hintergrunds verdichteten.

In den Jahren nach dem 1. Weltkrieg etablierte sich Koko erfolgreich bei Ausstellungen in Wien und Linz. Etwa OÖKV, MAERZ, und mit der Künstlervereinigung „Ring“ bei Ausstellungen in Wien, Linz und Salzburg.

Im Frühjahr 1919 beteiligte sich Koko erstmals an einer Ausstellung in der Secession in Wien mit 4 Gemälden, der weitere folgten, ebenso im Wiener Künstlerhaus.

Durch das durchwegs positive Echo heiratete Koko im Jahre 1920 Kamilla Hitz, Tochter eines Großfuhrwerkunternehmers. 
Inhalt und Stil seiner Arbeit wurde damals in zunehmendem Maße durch seine Auseinandersatzung mit dem deutschen Impressionisten Max Liebermann beeinflusst.

Eine entscheidende Leistung in Kokos Werk besteht in einer temperamentvollen und eigenständigen Vertiefung der impressionistischen Sichtweise im Sinne einer stärkeren formalen Wertigkeit der Töne in ihrer gegenseitigen Abstimmung und ihrem Bezug zum Bildganzen, welche bei konsequenter Weiterentwicklung letztendlich zum abstrakten Bild hätte führen können. Eine Tendenz die in einzelnen Werken bereits deutlich durchschimmert.

Am 28. Oktober 1929 erlag der 38jährige Künstler der Tuberkulose im Allgemeinen Krankenhaus in Linz.

In den Jahren unmittelbar nach seinem Tod waren seine Bilder im Rahmen zahlreicher Gedächtnisausstellungen zu sehen und auch bei großen Jubiläumsausstellungen war und ist er regelmäßig vertreten.

( Auszüge aus dem Band „ Demeter Koko, Eine Welt in Licht und Farbe; Edition Martin Suppan 1997 )